Biogas Use in Switzerland – Innovation Systems, Technology Diffusion, and Development Paths (“Novatlantis Biogas”)

 

Projektlaufzeit: 6/2006 - 12/2007
Gefördert durch novatlantis

  Besuch der neuen Biogasanlage in Herisau, Kanton St. Gallen (CH) nach einer Präsentation des Novatlantis Biogasprojekts vor Schweizer Biogasexperten (Quelle: R. Madlener) Besuch der neuen Biogasanlage in Herisau, Kanton St. Gallen (CH) nach einer Präsentation des Novatlantis Biogasprojekts vor Schweizer Biogasexperten (Quelle: R. Madlener)

Biogas zählt zu den erneuerbaren und CO2-neutralen Energieressourcen, die zur Strom- und Wärmeerzeugung oder als Fahrzeugtreibstoff eingesetzt werden können. Das nationale Potential zur Biogasproduktion in der Schweiz wird bislang nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft, während Nachbarländer wie Deutschland und Österreich in den vergangenen Jahren einen massiven Anstieg beim Bau von Biogasanlagen erlebten. Erste Analysen haben ergeben, dass es sich in der Schweiz vornehmlich um sozioökonomische und institutionelle Barrieren handelt (z.B. eine geringe Vergütung für die Stromeinspeisung und umfangreiche und zeitintensive Lizensierungsprozeduren).

Das zentrale Ziel dieses Projektes war es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das weiterhin nicht ausgeschöpfte Biogaspotential in der Schweiz effizient entwickelt und bestehende Hindernisse beiseite geräumt werden können. Das Projekt trägt somit nicht nur zu den energiepolitischen Zielen auf Bundesebene (z.B. EnergieSchweiz) bei, sondern bietet auch neue Impulse und stimuliert Innovationsnetzwerke auf lokaler und regionaler Ebene. In der Pilotregion von novatlantis in Basel entwickeln Elektra Basel Land (EBL) zusammen mit Industrielle Werke Basel (IWB) zwei große Biogas-Projekte – eine Kompogas-Anlage und eine gemeinschaftliche Biogasanlage. Diese Aktivitäten wurden als Fallstudie in das Projekt integriert und dienen als direkte Anwendungsreferenz.

Ein weiteres Ziel des Projektes war die Analyse der unterschiedlichen Hindernisse, aber auch der Erfolgsfaktoren auf dem Gebiet der Biogasnutzung in der Schweiz vor einem sozioökonomischen Hintergrund. Auf dieser Basis werden strategische Handlungsempfehlungen für Akteure aus der Politik und Administration angeboten, um die Rahmenbedingungen zu verbessern und weitere innovative Prozesse auf dem Markt anzuregen.

Darüber hinaus werden neue Optionen wie die Einspeisung von Biogas in das existierende Erdgasnetz oder der Betrieb von kooperierenden Anlagen bis zu einem bestimmten Detaillierungsgrad untersucht, sodass zum einen das Potential für zukünftige Markt- und Technologieentwicklungen abgeschätzt werden kann und zum anderen der Forschungsbedarf aufgedeckt wird. Auf Grundlage der Fallstudien wurde in der Analyse ein besonderer Fokus auf die lokalen Bedingungen für die Biogasproduktion gelegt. Das Projekt umfasste ebenfalls die Modellierung der Diffusion von Biogasanlagen in der Agrarwirtschaft. Drittens sollten zukünftige Entwicklungswege von Biogasanlagen in Hinblick auf technologische und organisatorische Aspekte ausgearbeitet werden.

Die Untersuchungen zeigen auf, wie die Annahme und Diffusion von verschiedenen Biogasprojekten, beziehungsweise Anlagentypen, in der Schweiz funktioniert und welche Faktoren als Inhibitoren wirken und welche die Verbreitung begünstigen. Die Ergebnisse lassen Schlussfolgerungen über erfolgreiche Entwicklungsprozesse zu. Letzteres gilt sowohl für Projekte im Einzelnen als auch für grundsätzliche Rahmenbedingungen im Allgemeinen.

Unter Berücksichtigung der geplanten Einzelprojekte können zukünftig kritische Erfolgsfaktoren für die Kooperation verschiedener Akteure (Unternehmen, Nutzer, Administration, andere Stakeholder) aus den Fallstudien abgeleitet werden. Auf der Ebene der lokalen oder regionalen Innovationssysteme wird des Weiteren augenfällig, wie grundlegend soziale Lernprozesse für den Erfolg einer Innovation im Bereich der Biogastechnik sind. In Anbetracht des politisch und ökonomisch bestimmten Erfolges können Faktoren auf einem supra-regionalen Level identifiziert werden. Neben einigen anderen Faktoren beeinflussen diese die Interaktion zwischen finanzieller Förderung, Genehmigungsprozessen, technischen Normen und Bauregulierungen. Die Projektergebnisse wurden mit Schweizer Biogas-Experten diskutiert, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und einige Veröffentlichungen realisiert.

Die Hauptaufgabe von Herrn Prof. Madlener im Rahmen dieses Projektes, welches er von der ETH Zürich an die RWTH Aachen brachte, war die Entwicklung eines GIS-basierten Simulationsmodells für die räumliche Diffusion der Biogastechnologie in der Schweiz, welches weiterentwickelt und auf den Raum Deutschland angewandt werden soll (siehe dazu die Projektbeschreibung “Modeling the Spatial Diffusion of Agricultural Biogas Plants”).

Projektpublikationen

Madlener R., Markard J., Stadelmann M., Umbach-Daniel A. (2008). Biogasnutzung in der Schweiz: Hemnisse, Förderfaktoren und zukunftsorientierte Analysen, Endbericht, Studie von ETH Zürich (CEPE) / EAWAG (CIRUS) / Rütter+Partner im Auftrag von novatlantis - Nachhaltigkeit im ETH Bereich, Zürich, April.

Markard J., Stadelmann M., Truffer B. (2009). Prospective analysis of technological innovation systems: Identifying technological and organizational development options for biogas in Switzerland, Research Policy, 38: 655-667.

Kontakt

Reinhard Madlener

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Reinhard Madlener

Institutsleiter FCN

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