Credit Risk Mitigation with Margining and Impacts on Power Plant Valuation

  Vergleich von "Margining"-Kosten vs. Kosten des Gegenparteiausfallrisiko basierend auf den Modellergebnissen (Quelle: FCN)

Im Rahmen der Doktorarbeit von Joachim Lang von E.ON untersuchen wir die Auswirkungen einer stärkeren Absicherungspolitik auf allen europäischen Derivatemärkten für die europäischen Versorgungsunternehmen und ihre zugrunde liegenden Kraftwerkportfolios. Bisher wurden die folgenden Untersuchungen abgeschlossen.

1. Relevanz von Risikokapital und Margining für die Bewertung von Kraftwerken: Geldbedarf zur Kreditrisikominderung (Lang und Madlener, 2010a)

In einer ersten Einschätzung des Themas analysieren wir die Anforderungen für die Absicherung von Kraftwerken unter Anwendung der Maßgaben des Margining European Commodity Clearing AG (ECC, 2008, 2009) für Kohle- und Gaskraftwerke. Wir betrachten weiterhin in einer vereinfachten Form den Verkauf von Strom auf dem deutschen Markt. Als Ausgangspunkt ermitteln wir für zwei Folgejahre die erwartete Auslastung pro Anlage auf Grundlage vorliegender EEX-Daten für die Rohstoffpreise. Dabei wenden wir verschiedene Absicherungsstrategien an, um die offenen Positionen zu berechnen, die mit Sicherheiten abgedeckt werden müssten. Darüber hinaus betrachten wir „netting“-Möglichkeiten für Short- und Long-Positionen in Übereinstimmung mit den ECC -Regeln. Die Schwerpunkte unserer Untersuchung liegen auf der Kraftwerksbewertung, der Portfoliooptimierung und der Portfolioauswahl-Probleme für Kraftwerke unter Berücksichtigung von Liquiditätsengpässen. Wir wollen ein tieferes Verständnis der Auswirkungen der Kreditrisikobegrenzung über „Margining“ auf den Cashflow von Kraftwerken und den daraus resultierenden Risikokapitalbedarf ermöglichen. Darüber hinaus bestimmen wir für verschiedene Absicherungsstrategien die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Gesamtmarge. Außerdem veranschaulichen wir die Unterschiede zwischen den Kraftstoffarten und die Korrelation von Nachschussanforderungen im Vergleich zu der zugrunde liegenden Rohstoffpreisentwicklung. Schließlich analysieren wir, in welcher Weise die Kreditrisikominderung durch „Margining“ bei Investitionsentscheidungen, oder allgemeiner, bei der Verwaltung der finanziellen Mittel eines Versorgungsunternehmens berücksichtigt werden muss.

2. Kostenbewertung von Kreditrisikoverbriefung in der Elektrizitätswirtschaft: „Credit Default“ Akzeptanz vs. „Margining“-Kosten (Bellmann, 2010; Bellmann et al., 2010)

Eine weitere Teilstudie untersucht die Auswirkungen von „Margining“ auf die finanziellen Kosten im Vergleich zu der direkten Verwaltung und der beabsichtigten Akzeptanz des Kreditrisikos. Dazu bewerten wir die Verluste durch ausfallende Geschäftspartner mit den Zinsanforderungen des Reservepolsters für ein „Margining“-Konto. Wir vergleichen ein Szenario in dem von einem 100% „Margening“ ausgegangen wird mit einem Szenario ohne Kreditabsicherung. Um die Robustheit des Modells zu überprüfen, testen wir dessen Sensibilitäten auf die Rohstoffpreise, die Partnerstruktur der Verkauf/Kauf-Portfolios, und den zugrundeliegenden Energieträgermix. Die Ergebnisse zeigen klar auf, dass die Verwendung von „Margining“ in der Elektrizitätswirtschaft deutlich teurer ist als die möglichen Kosten durch den Ausfall von Geschäftspartnern. Dem angewendeten Modellansatz zufolge würde die Einführung eines zentralen Clearings (Ausgleichmechanismus) und die damit verbundene Notwendigkeit jeglichen Handel abzusichern die Versorgungswirtschaft stark belasten. Wir zeigen, dass es auf kurze wie auf lange Sicht günstiger für Unternehmen ist, das Kreditrisiko zu akzeptieren, anstatt die anfallenden Kosten durch „Margining“ auf sich zu nehmen.

3. Portfolio-Optimierung für Kraftwerke: Die Auswirkungen der Kreditrisikominderung bei „Margining“ (Lang und Madlener, 2010b)

Die Einführung eines zentralen Clearing Mechanismus durch eine regulative Institution wie die EU-Kommission hat als Folge steigender „Margining“-Anforderungen auf Handelsaktivitäten einen starken Einfluss auf den Risikokapitalbedarf der europäischen Versorgungsunternehmen. In diesem Kontext analysieren wir die Auswirkungen der Kreditrisikominderung über „Margining“ auf die optimale Portfolio-Auswahl aus Sicht der handelnden Akteure. Dafür simulieren wir „Margining“-Cashflows für ein beispielhaftes Kraftwerksportfolio basierend auf dem Rechtsrahmen der European Commodity Clearing AG (ECC) und führen die Evaluation eines zugrunde liegenden Asset-Portfolios durch. Die daraus resultierenden Unterschiede der Werte, die sich mit und ohne „Margining“ ergeben, werden mit dem „Mean-Varianz-Portfolioapproach“ von Markowitz (Markowitz, 1952) analysiert, um so die Auswirkungen von „Margining“ auf die Effizienzgrenze der Kraftwerksportfolios zu bestimmen. Aus dieser Analyse ergibt sich, dass die Einführung eines zentralen Clearing-Mechanismus und die Berücksichtigung des „Margining“ bei der Auswahl eines Kraftwerksportfolios großen Einfluss auf die Zusammensetzung von effizienten Portfolios auf die Effizienzgrenze haben können.

Literatur

Bellmann E., Lang J., Madlener R. (2010). Cost Evaluation of Credit Risk Securitization in the Electricity Industry: Credit Default Acceptance vs. Margining Costs, FCN Working Paper No. 13/2010, Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior, RWTH Aachen University, September.

European Commodity Clearing AG (ECC, 2008). ECC Margining, Release 001, Leipzig, Germany, 22 October 2008: Description of Clearing procedures and regulations for trading electricity for the partner electricity exchanges of the ECC.

ECC (2009). Clearing conditions of the European Commodity Clearing AG, Release 0007, Leipzig, Germany, 1 April 2009.

Lang J., Madlener R. (2010a). Relevance of Risk Capital and Margining for the Valuation of Power Plants: Cash Requirements for Credit Risk Mitigation, FCN Working Paper No. 1/2010, Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior, RWTH Aachen University, February.

Lang J., Madlener R. (2010b). Portfolio Optimization for Power Plants: The Impact of Credit Risk Mitigation and Margining, FCN Working Paper No. 11/2010, Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior, RWTH Aachen University, September.

Markowitz H. M. (1952). Portfolio selection, Journal of Finance, 7(1): 77-91.

Studien- und Abschlussarbeiten

Bellmann E. (2010). Vergleich und Bewertung unterschiedlicher Verfahren zur Absicherung von Kreditrisiken der Elektrizitätswirtschaft auf Rohstoffmärkten (Comparison and Valuation of Different Strategies for Hedging Credit Risks of the Electricity Industry on Commodity Markets, in German). Diplomarbeit, Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften, insb. Energieökonomik, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, RWTH Aachen University, September.

Kontakt

Name

Prof. Dr. Reinhard Madlener

Institutsleiter FCN

Telefon

work
+49 (0)241 80 49820

E-Mail

E-Mail

Kontakt

Name

Dipl.-Kfm. Joachim Lang

Telefon

work
+49 (0)211 45 79322

E-Mail

E-Mail