Der Wandel des Stromsektors – Länderübergreifende Erfahrungen von Verteilnetzbetreibern und Energiegenossenschaften

 

Eine deutsch-portugiesische Studie

Projektlaufzeit 01/2016 – 12/2017
Gefördert vom DAAD

Der Energiesektor befindet sich derzeit in einem raschen Wandel von einer ehemals zentralen Stromerzeugung durch konventionelle Energieträger zu einer vermehrt dezentraleren Stromeinspeisung durch kleine Erzeugereinheiten aus erneuerbaren Energiequellen. Der vermehrte und zügige Ausbau erneuerbarer Energieanlagen (EEA) führt zu dem Zugzwang weitere innovative Technologien zu installieren, um die stets steigende Anzahl EEA erfolgreich in das derzeitige Energiesystem zu integrieren. Diese technischen Anpassungen sind begleitet von sich stets ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen und neu entstehenden Märkten, welche auch eine Umorientierung von Geschäftsideen erforderlich macht.

Das laufende Projekt analysiert zwei wesentliche und grundsätzlich unterschiedliche Akteure im Stromsektor hinsichtlich ihrer sich wandelnden Rolle in der gegenwärtigen Energiewende: die etablierten VNB und die vermehrt gegründeten erneuerbaren Energiegenossenschaften.

Die VNB wurden durch die gesetzliche Pflicht, die mehrheitlich dezentral installierten EEA an ihr Verteilnetz anzuschließen, starken externen Änderungen unterworfen. Mit dem Zubau neuer technischer Betriebsmittel sowie der Implementierung neuen Betriebsstrategien zur Beibehaltung der Versorgungssicherheit versuchten sich die VNB an die neu entstandenen Erzeugungsstrukturen anzupassen. Der starke und rasche Ausbau EEA führte zudem zum Anreiz neue Geschäftsmodelle zu entwerfen um die Umstrukturierung des Netzes möglichst kostengünstig zu realisieren.

Die gesetzliche Förderung EEA führte zu einem plötzlichen Anwachsen kleiner dezentraler Energieerzeuger, welche sich vermehrt in lokalen Energiegenossenschaften zusammenschlossen und somit zu einem Anwachsen von Akteuren im Strommarkt führte. Europaweit existieren derzeit mehr als 2400 Energiegenossenschaften, wovon 718 in Deutschland agieren. Diese neu entstandenen Akteure führten ebenfalls zu einer Umstrukturierung des traditionell geprägten Stromsektors und zu einem erhöhten Konkurrenzdruck für etablierte Stromversorgungsunternehmen.

Das Projekt zum Wandel des Stromsektors wird als internationale Kooperation zwischen der Universität Coimbra in Portugal und der RWTH Aachen in Deutschland bearbeitet, um neue Erkenntnisse aus Theorie und Praxis für eine anschließende Politikberatung zu gewinnen.

Das Projekt deckt folgende Aufgabenfelder ab:

  • Eine Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Identifizierung derer Hauptmerkmale und Einflussgrößen in Deutschland, Portugal und Europa.
  • Die Entwicklung von Fallstudien sowie der Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes von VNB und Genossenschaften in Deutschland und Portugal. Dieses Netzwerk soll der Identifizierung von interne Dynamiken, dem Austausch bisher gesammelte Erfahrungen, sowie der Identifizierung und dem Vergleich aktueller Herausforderungen und zukünftiger Rollen von VNB und Genossenschaften dienen.
  • Aufbauend auf den erhaltenden Erkenntnissen sollen Politikempfehlungen für veränderte Rahmenbedingungen formuliert werden. Best-case Fälle können hier als Vorbildfunktion dienen.

Bis dato wurde die vergleichende Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen durchgeführt, um Erfolgsindikatoren sowie einschränkende Bedingungen für die weitere erfolgreiche Fortschreibung der Energiewende zu identifizieren. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Analyse, wurden vom deutsch-portugiesischem Forscherteam zwei VNBs in Deutschland sowie ein VNB in Portugal besucht und zu den Kernthesen befragt. Hierbei konnten interessante Einblicke aus der Praxis der VNB zu den aktuellen Herausforderungen und Chancen gewonnen werden. Zusammen mit den theoretischen Vorarbeiten wird in diesem Zusammenhang eine vergleichende Fallstudie zu den Herausforderungen der VNB innerhalb der Energiewende veröffentlicht. Zudem wurden eine deutsche und eine portugiesische Energiegenossenschaft besucht, wobei die bemerkenswerten länderspezifischen Unterschiede bezüglich der Rahmenbedingungen und Ausgestaltung der Energiegenossenschaften festgehalten werden konnten. Eine durchgeführte deutschlandweite Befragung der Energiegenossenschaften soll hier weitere Erkenntnisse insbesondere hinsichtlich der zukünftigen Rolle von Energiegenossenschaften bringen.

Projektpublikationen

Pereira, G. I., Specht, J. M., Silva, P. P., & Madlener, R. (2018). Technology, business model, and market design adaptation toward smart electricity distribution: Insights for policy making. Energy Policy, 121, 426–440. [ScienceDirect]

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Jan Martin Specht

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